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  • AutorenbildRobin Hill

Rohrdommel-Abend

Aktualisiert: 19. März 2022

Die Auenlandschaften an der Aare in unserer Umgebung locken uns immer wieder aufs Neue an. Sei es einfach für einen Spaziergang mit unserer Hündin oder für eine Foto-Session früh morgens - diese Landschaft ist immer für eine Überraschung gut. Eine besondere ornithologische Begegnung hatten wir an einem Abend im vergangenen Februar.


Bild 1: Die tief stehende Sonne taucht den Auenwald in mystisches Licht


An Winterabenden steht die Sonne schon sehr früh tief am Himmel und die "Goldene Stunde" beginnt bereits am späteren Nachmittag. Dadurch, dass in diesem Winter kaum Schnee im Flachland gefallen war, kam in den kahlen und von Brauntönen dominierten Wäldern entlang der Aare jeweils eine besonders warme Lichtstimmung auf. Perfekt für Biosphären-Fotografie, wenn auch etwas traurig, da damit schmerzlich die Konsequenzen des Klimawandels aufgezeigt werden. Nichtsdestotrotz gab es viel zu entdecken, da wegen der für die Jahreszeit untypisch warmen Temperaturen bereits viel Aktivität herrschte. Gebirgsstelzen suchten am Ufer des Flusses nach Nahrung, Silber- und Graureiher flogen über unsere Köpfe und die vielen Schilfinseln, durchsetzt mit Baumgerippen, leuchteten in den letzten Sonnenstrahlen des Tages. Die Haubentaucher-Pärchen unternahmen erste zaghafte Balzversuche und die Zwertaucher hatten ihr unscheinbar-gräuliches Winterkleid gegen das markantere Brutgefieder mit den kastanienbraunen Wangen und den "weissen Mundwinkeln" getauscht. Frühlingserwachen Mitte Februar. Wir hatten also mit Vielem gerechnet, nicht aber mit dem, was wir an einem kleinen Aussichtspunkt zu Gesicht bekamen. Auf der anderen Seite der Wasserfläche sass ein verhältnismässig grosser Vogel an der Schilfkante, den wir auf die Distanz zunächst gar nicht einzuordnen wussten.


Bilder 2-7: Impressionen des Abends - Gebirgsstelze (Motacilla cinerea, o.l.), Rohrdommel (Botaurus stellaris, u.m.), Silberreiher (Ardea alba, o.r.)


Wir wussten, dass im Kanton immer mal wieder einzelne Rohrdommeln überwinterten oder auf dem Zug zwischen Brutgebiet (vor allem nordöstliches Mitteleuropa) und den Überwinterungsgebieten (Südeuropa, seltener tropisches Afrika) im Schweizerischen Mittelland rasteten. Aber an diesem Flussabschnitt, mit einer verhältnismässig kleinen Schilffläche - auf welche sie mit ihrer Färbung und ihrem Verhalten angewiesen ist - hatten wir nicht mit ihr gerechnet. Doch da sass sie nun und drehte im 5-Minuten-Takt ihren Kopf um 180°. Als Tarnungskünstlerin hat es diese mittelgrosse Reiherart nicht eilig. Wir hofften, vielleicht noch ihr arttypisches "Vorwärtskriechen" im Zeitlupentempo oder die ulkige "Pfalhstellung" beobachten zu können, doch die Dommel schien sich bereits zur Übernachtung niedergelassen zu haben. Zusammengekauert verharrte sie auf einem Bündel aus Schilfhalmen und liess sich auch nicht von den Jogger*innen und den hektisch auf- und abschwimmenden Blässrallen aus der Ruhe bringen.


Eine Frage die uns beim Warten noch beschäftigte: Würde man verweilende Passant*innen mit umgehängten Ferngläsern auf die ornithologische Besonderheit aufmerksam machen? Einerseits besteht die Gefahr, dass sich sowas innert kürzester Zeit in der "Community" herumspricht und am nächsten Wochenende ein Wald aus Ferngläsern und Zoom-Objektiven an der Stelle steht. Andererseit sollte man diese Momente mit anderen Begeisterten, die solche Beobachtungen ebenfalls zu schätzen wissen, auch teilen können... Keine einfache Frage! So verbrachten wir also schlussendlich über eine Stunde mit dem Vogel, bis die Sonne untergegangen war und uns die Kälte in die Kleider kroch. Wir haben uns seither noch einige Male auf die Suche nach der Rohrdommel gemacht, doch nach diesem einen Abend haben wir sie leider nicht mehr wiedergesehen. Vermutlich ist sie bald darauf bereits weiter in die Brutgebiete ausserhalb der Schweiz gezogen. Doch wer weiss, vielleicht kommt sie nächstes Jahr ja wieder.


Bild 8: Rohrdommel ruht sich in einem Schilfgürtel aus


Steckbrief

Name: Rohrdommel (Botaurus stellaris)

Familie: Reiher (Ardeidae)

Länge (cm): 70-80

Spannweite (cm): 125-135

Gewicht (g): 900-1’100

Nahrung: Fische, Kleinsäuger, Amphibien

Verbreitung: Eurasien (Unterart B. s. capensis im südlichen Afrika)

Lebensraum: Seen, Feuchtgebiete, Fliessgewässer

Zugverhalten: meist Kurzstrecken- oder Teilzieher

Status Schweiz: aktuell keine Brutpaare, regelmässiger bis seltener Durchzügler/Wintergast


(Quelle: www.vogelwarte.ch)


Alle Bilder unseres Projekts "Aargauer Auen"

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